Zeit & Raum für
Körper & Seele ...

Wenn Frauen einander stärken, verändert sich die Welt

March 15, 2026

Frauenpower - Die Kraft, die entsteht, wenn Frauen zusammenstehen – und warum der Weltfrauentag mehr ist
als ein Blumenstrauß

Es ist große Pause auf einem Schulhof. Einpaar Mädchen stehen zusammen, lachen, flüstern, schauen sich an.
Ein anderes Mädchen steht ein paar Meter entfernt. Für einen Moment wirkt es so, als würde sie überlegen,
ob sie dazustoßen soll. Dann senkt sie den Blick und geht weiter. Nicht jedes Mädchen wird ausgeschlossen.
Und doch spüren viele Mädchen schon früh etwas sehr Ähnliches: Um dazuzugehören, muss ich mich bemühen.

Ich muss mich anpassen. Ich muss gefallen. Ich muss richtig sein. Ich muss still sein. Ein falsches Wort oder die
falsche Kleidung können zum Ausschluss führen. Zu laut sein, zu wild – es erfolgt Ablehnung. Bloß nicht anders
sein. So lernen Mädchen schon früh, dass Anerkennung etwas ist, das man sich verdienen muss. Und so
beginnen sie sich anzupassen, kleiner zu machen, stiller zu werden. Im Erwachsenenleben verändert sich die
Form – doch das Muster bleibt manchmal bestehen. Dies wird gerade in der Mutterschaft besonders sichtbar.
Mutterschaft, eine Zeit in der Frauen eigentlich besonders viel Gemeinschaft und Unterstützung bräuchten.

In meiner Arbeit mit Müttern entsteht der Eindruck, dass Frauen mit dem Eintritt in die Mutterschaft ein Abo
darauf erworben haben es immer falsch zu machen, egal wie sie es machen – irgendwie scheint es immer falsch
zu sein. Die Mutter ist Schuld, wenn das Baby schreit, entweder weil sie nicht entspannt genug ist, nicht genug
Milch hat. Sie ist Schuld wenn es per Kaiserschnitt geboren wurde, Sätze wie „… dann bist Du ja keine
richtige Mutter, Du hast ja gar nicht richtig geboren“ fallen auch 2026 noch. Stillt die Mutter ist es falsch, stillt
sie nicht, sowieso. Bleibt sie zuhause ist sie eine Glucke, geht sie arbeiten ist sie karrieregeil…

Manchmal erinnert mich diese Dynamik an einen alten Satz: Selbst wenn eine Frau über Wasser gehen könnte,
würde wahrscheinlich jemand sagen: „Ja gut, aber schwimmen kann sie wohl nicht.“

Mutterschaft ist kein Wettbewerb und doch vergleichen sich Frauen und werten einander ab. Dabei liegt eine
große Kraft genau dort, wo der Vergleich endet: in Verbundenheit. Frauen, die sich gegenseitig stärken,
einander Raum geben, sagen: „Ich sehe Dich.“ „Ich fühle mit Dir.“


Ein Blick in unsere Geschichte

Wenn wir heute über Frauenrechte sprechen, wirkt vieles selbstverständlich. Doch historisch gesehen sind viele
Rechte von Frauen erstaunlich jung.

Der Internationale Weltfrauentag selbst wurde 1911 erstmals gefeiert. Initiiert wurde er unter anderem von
der deutschen Frauenrechtlerin Clara Zetkin, die sich dafür einsetzte, Frauen weltweit zusammenzubringen,
damit sie gemeinsam für politische Rechte, bessere Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Teilhabe eintreten.

Von ihr stammt auch ein Satz, der bis heute nichts von seiner Kraft verloren hat:

„Die Befreiung der Frau wird erst Wirklichkeit, wenn Frauen gemeinsam für ihre Rechte eintreten.“

Noch weiter zurück in der Geschichte gab es Zeiten, in denen Frauen für ihre Stärke verfolgt wurden.

Frauen, die heilten. Frauen, die Wissen hatten. Frauen, die unabhängig dachten. Frauen, die ihre Stimme
erhoben. Sie wurden als Hexen bezeichnet und verbrannt. Und auch, wenn die Zeit der
Hexenverbrennung vorbei ist, lebt etwas von dieser alten Geschichte manchmal noch in unserer Kultur: Frauen
sollen nicht zu laut sein, nicht zu unbequem, nicht zu mächtig. Ich bin der Meinung, Frauen dürfen nicht nur
laut sein, sie müssen es sogar. Sie müssen sich trauen Raum einzunehmen und ihre Stimme zu erheben.

Wenn wir über Gleichberechtigung sprechen, entsteht manchmal der Eindruck, Männer und Frauen müssten
völlig gleich sein. Doch Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass alles identisch sein muss. Frauenkörper
funktionieren anders als Männerkörper. Hormone wirken unterschiedlich. Viele Frauen erleben jeden Monat
ihren Zyklus, der Einfluss auf Energie, Konzentration und Stimmung haben kann.

Auch im Leistungssport wird darüber inzwischen offener gesprochen. Einige Athletinnen haben darauf
hingewiesen, dass ihre Leistungsfähigkeit während bestimmter Zyklusphasen anders sein kann – etwa
während der Menstruation. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Das ist die Realität.

„Ach sie hat mal wieder ihre Tage.“ Ein Satz, der ein körperliches und hormonelles Geschehen auf eine
abwertende Bemerkung reduziert. Wie wäre es mit Akzeptanz statt Herabwürdigung? Es wäre so einfach
und auch sinnvoll die Unterschiede anzuerkennen, anstatt sie gegen Frauen zu verwenden. Denn
Gleichberechtigung bedeutet nicht, Unterschiede zu leugnen, sondern Unterschiede zu respektieren,
ohne daraus Hierarchien zu machen.

Wenn Menschen andere Menschen herabwürdigen oder abwerten, steckt dahinter selten echte Stärke. Meist
entstehen solche Bewertungen aus einem Gefühl von Unsicherheit. Wenn wir uns selbst nicht sicher fühlen,
beginnen wir manchmal unbewusst, uns mit anderen zu vergleichen. Der Vergleich kann kurzfristig das Gefühl
geben, ein wenig mehr Kontrolle oder Sicherheit zu haben.

Wenn ich mich über jemand anderen stelle, fühlt es sich für einen Moment so an, als wäre ich selbst besser,
richtiger oder erfolgreicher. Der Preis dafür ist hoch: Verbindung geht verloren. Hinter abwertenden
Kommentaren steckt deshalb oft nicht Überlegenheit, sondern etwas ganz anderes – Angst, Zweifel oder ein
tiefes Bedürfnis, sich selbst wertvoll zu fühlen.

Vielleicht liegt genau hier ein wichtiger Schlüssel? Wenn Abwertung  aus Unsicherheit entsteht, dann führt der
Weg zu echter Veränderung nicht über noch mehr Vergleich – sondern über einen stärkeren Selbstwert. Ein
Mensch, der sich selbst als wertvoll erlebt, muss andere nicht kleiner machen, um sich größer zu fühlen. Er
braucht keinen Vergleich, um sich richtig zu fühlen.

Abwertung kann deshalb manchmal wie ein kurzfristiger Versuch wirken, den eigenen Selbstwert zu stabilisieren
– ein Pseudo-Selbstwert, der für einen Moment stärker erscheint, aber innerlich nicht wirklich trägt. Wirklicher
Selbstwert entsteht anders. Er wächst dort, wo Menschen sich angenommen fühlen. Wo sie erleben, dass sie
richtig sind, so wie sie sind. Vielleicht wäre es deshalb hilfreicher, nicht andere Frauen abzuwerten, sondern
den Blick nach innen zu richten: auf daseigene Gefühl von Wert, von Sicherheit und von Selbstvertrauen.

Und genau hier beginnt auch eine Veränderung, die weit über einzelne Begegnungen hinausgeht. Denn wenn wir
unsere Kinder stärken, wenn wir Mädchen und Jungen mit einem gesunden Selbstwert aufwachsen lassen,
verändern wir langfristig mehr als nur einzelne Beziehungen. Wir verändern die Kultur unseres
Miteinanders. Kinder, die gelernt haben, dass ihr Wert nicht davon abhängt, andere abzuwerten, müssen
später keine Konkurrenz schaffen, um sich selbst sicher zu fühlen. Sie können einander auf Augenhöhe
begegnen. Und vielleicht entsteht genau so eine Gesellschaft, in der Menschen einander nicht kleiner
machen müssen – sondern sich gegenseitig stärken.


Ein Gedanke, der selten ausgesprochen wird

Wenn wir über Gleichberechtigung sprechen, über Rollenbilder, über Rechte und gesellschaftliche
Veränderungen, lohnt es sich manchmal, einen Schritt zurückzutreten und die Perspektive zu wechseln.
Stell dir einen Moment lang ein Gedankenspiel vor. Was wäre, wenn Frauen weltweit eines Tages eine
gemeinsame Entscheidung treffen würden? Keine großen Demonstrationen. Kein Protest auf der Straße.
Kein lauter Aufschrei. Nur eine stille Entscheidung: „Nein. Ich möchte keine Kinder mehr bekommen.“

Wenn Frauen überall auf der Welt diese Entscheidung treffen würden, bräuchte es keine Revolution. Die
Menschheit würde schlicht aufhören zu wachsen und mit der Zeit verschwinden. Dieser Gedanke wirkt zunächst
radikal. Und doch macht er etwas sichtbar, das wir im Alltag selten bewusst wahrnehmen. Unsere Gesellschaft,
unsere Zukunft, unser Weiterbestehen als Menschheit hängt davonab, dass Frauen Leben in diese Welt bringen.
Dass sie Kinder gebären. Dass sie sie nähren. Dass sie sie begleiten und großziehen.

Eine Gesellschaft, deren Fortbestand davonabhängt, dass Frauen weiterhin Menschen zur Welt bringen, könnte
sich immer wieder bewusst machen, wie wertvoll Frauen sind. Nicht nur als Mütter. Nicht nur als Partnerinnen.
Sondern als Menschen mit einer einzigartigen schöpferischen Kraft. Vielleicht würde eine solche
Perspektive dazuführen, dass Frauen nicht nur an einem einzigen Tag im Jahr Wertschätzung erfahren. Sondern
im Alltag. Im Miteinander. In der Sprache. Und in den Strukturen unserer Gesellschaft. Denn Wertschätzung
beginnt nicht mit großen Gesten, sondern damit, zu erkennen, wie grundlegend der Beitrag eines Menschen für das Ganze ist.

 

Ein Gedanke zum Schluss

Wenn wir auf die Geschichte der Frauenschauen, sehen wir Mut. Mut von Frauen, die ihre Stimme erhoben
haben, obwohl man ihnen sagte, sie sollten still sein. Mut von Frauen, die für Rechte kämpften, die heute
selbstverständlich erscheinen. Und wir sehen auch etwas anderes: Verbundenheit.

Viele Veränderungen sind entstanden, weil Frauen sich zusammengeschlossen haben. Weil sie einander
unterstützt haben. Weil sie gesagt haben: Wir gehen diesen Weg gemeinsam. Und genau dort liegt die Kraft.
Nicht im Vergleich. Nicht im Wettbewerb. Sondern im gegenseitigen Aufrichten. Denn jede Frau, die ihre
Stimme findet, jede Frau, die einer anderen Frau Mut macht, jede Frau, die ein Mädchen stärkt, verändert
mehr, als sie vielleicht glaubt. Sie verändert nicht nur ein Leben. Sie verändert die Zukunft.

Und vielleicht ist genau das die eigentlicheBotschaft des Weltfrauentages: Die Zeit, in der Frauen leise sein
mussten, ist vorbei. Die Zeit, in der Frauen gegeneinander gestellt wurden, darf zu Ende gehen. Die
Zeit der Frauen, die sich gegenseitig stärken, hat längst begonnen. Oder wie Maya Angelou sagte: „Jedes Mal,
wenn eine Frau für sich selbst einsteht, ohne es zu wissen und ohne es zu beanspruchen, steht sie für alle Frauen ein.“

Der Weltfrauentag ist deshalb mehr als eine Rose – er ist eine Erinnerung an die Geschichte der Frauen, an ihre
Stärke und an die Kraft, die entsteht, wenn Frauen einander sehen, stärken und gemeinsam Zukunft
gestalten. Und wenn es dann noch eine Rose dazu gibt, nehmen wir sie natürlich auch gerne – neben
Gleichberechtigung, Wertschätzung und Respekt. 😉


Timeline: Wichtige Meilensteine der Frauenrechte in Deutschland

1911
Erster Internationaler Frauentag. Initiiert unter anderem von Clara Zetkin, um Frauenrechte, Wahlrecht und bessere Arbeitsbedingungen zu fordern.

1918
Frauen erhalten in Deutschland das aktive und passive Wahlrecht.

1919
Frauen dürfen erstmals wählen und selbst in Parlamente gewählt werden.

1958
Das Gleichberechtigungsgesetz tritt in Kraft. Frauen dürfen ohne Zustimmung ihres Ehemannes arbeiten und über ihr eigenes Vermögen verfügen.

1977
Reform des Ehe- und Familienrechts. Der Mann darf nicht mehr über die Berufstätigkeit seiner Frau entscheiden. Partnerschaftliche Ehe wird gesetzlich festgeschrieben.

1997
Vergewaltigung in der Ehe wird strafbar. Ein historischer Schritt für den Schutz der körperlichen Selbstbestimmung von Frauen.

2001
Einführung des Elternzeitgesetzes, das beiden Elternteilen ermöglicht, Zeit fürdie Kinderbetreuung zu nehmen.

2016
Reform des Sexualstrafrechts: Der Grundsatz „Nein heißt Nein“ wird gesetzlich verankert.