
EMDR – neu ordnen statt festhalten
February 3, 2026
Manche Erfahrungen verhalten sich wie Legosteine, die achtlos auf dem Boden liegen geblieben sind. Tagsüber
sehen wir sie vielleicht gar nicht. Doch nachts – barfuß, im Dunkeln – treten wir völlig unerwartet darauf. Der
Schmerz ist plötzlich da. Unverhältnismäßig stark. Und wir fragen uns: Warum trifft mich das jetzt so?
So ähnlich kann es sich mit belastenden Erlebnissen verhalten, die innerlich nicht gut eingeordnet wurden.
Wenn Erinnerungen nicht dort liegen, wo sie hingehören
Unser Gehirn ist grundsätzlich sehr gut darin, Erlebtes zu verarbeiten und sinnvoll abzuspeichern. Doch bei
besonders belastenden, überwältigenden oder emotional intensiven Situationen kann dieser Prozess ins
Stocken geraten. Dann werden Erfahrungen nicht „aufgeräumt“, sondern bleiben innerlich liegen – wie die
Legosteine auf dem Boden. Sie sind nicht ständig präsent, aber:
- ein Geruch
- ein Satz
- eine Situation
- ein bestimmtes Gefühl
kann reichen, um plötzlich wieder mitten im Erleben zu sein – mit all der emotionalen Intensität von damals.
EMDR: Ordnung ins innere System bringen
EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist eine wissenschaftlich fundierte Methode, die genau hier ansetzt. Nicht indem
Erlebnisse „weg gemacht“ werden, sondern indem sie neugeordnet werden. Man könnte sagen: EMDR hilft
dabei, die inneren Legosteine vom Boden aufzuheben und wieder dorthin zu legen, wo sie hingehören –
ins Regal der Vergangenheit. Die Erinnerung bleibt bestehen, aber sie liegt nicht mehr im Weg.
Wie funktioniert das konkret?
EMDR arbeitet mit bilateraler Stimulation – also abwechselnden Reizen auf der linken und rechten Seite.
Das können Augenbewegungen sein, sanftes Tappen oder akustische Signale. Diese rhythmische
Aktivierung beider Gehirnhälften unterstützt das Gehirn dabei,
- Erinnerungen neu zu verknüpfen
- emotionale Überreaktionen zu regulieren
- Erfahrungen in einen größeren inneren Zusammenhang einzuordnen
Viele Menschen beschreiben danach, dass sich etwas „sortiert“ anfühlt. Gedanken werden klarer, Gefühle
verändern sich, der innere Druck lässt nach.
EMDR ist keine Methode, bei der man etwas „macht“ oder „leisten“ muss. Vielmehr wird ein Rahmen
geschaffen, in dem das Gehirn selbst arbeiten kann. Das kann sich manchmal fast unspektakulär anfühlen
– und dann doch spürbar etwas verändern. So wie das Aufräumen eines Raumes: Plötzlich stolpert man
nicht mehr über Dinge, obwohl sie vorher schon lange da waren.
EMDR bei Kindern – spielerisch und sicher
Kinder tragen ihre inneren Legosteine oft besonders still mit sich herum. In meiner Arbeit mit Kindern passe
ich EMDR deshalb spielerisch an – zum Beispiel mit einem kleinen Zauberstab zum Tappen 🪄
Das schafft:
- Sicherheit
- Leichtigkeit
- Vertrauen
und ermöglicht es Kindern, auf ihre ganz eigene Weise Ordnung in ihr inneres Erleben zu bringen.
In meiner Praxis „Zeit & Raum fürKörper & Seele“ arbeite ich mit EMDR achtsam, individuell und im
Tempo der jeweiligen Person. Es geht nicht darum, etwas zu vergessen. Sondern darum, Erlebnissen einen
Platz zu geben, an dem sie nicht immer wiederim Dunkeln überraschen müssen. Oder anders gesagt:
Damit man nachts wieder barfuß durchs Leben gehen kann – ohne ständig auf etwas Unsichtbares zu treten.


