
Perspektivwechsel
February 3, 2026
Wir erleben die Welt nie so, wie sie ist – sondern so, wie wir sie gerade sehen können. Unser Blick ist gefärbt
von Stress, Erwartungen, Erfahrungen und Emotionen. In solchen Momenten vergessen wir leicht: Jede Situation
hat mindestens zwei Seiten. Wie eine Medaille lohnt es sich, sie umzudrehen und auch die andere Seite zu betrachten.
Das Auto vor dir fährt ungewöhnlich langsam. Der erste Impuls ist Ungeduld. Doch vielleicht sitzt darin ein
neugeborenes Baby, vielleicht fährt jemand besonders vorsichtig, weil er Verantwortung trägt.
Du bestellst einen Eiskaffee und bekommst einen heißen. Ärger steigt auf. Doch vielleicht ist es der
erste Arbeitstag der Bedienung, vielleicht war es ein Moment der Überforderung.
Du bekommst eine kurze, distanzierte Antwort. Vielleicht Ablehnung? Oder vielleicht kämpft dieser
Mensch gerade mit etwas, das du nicht sehen kannst.
Du hast den Job nicht bekommen. Enttäuschung macht sich breit. Doch vielleicht bist du für etwas Größeres
bestimmt, für einen Weg, den du dir jetzt noch nicht vorstellen kannst.
Psychologisch betrachtet bedeutet Perspektivwechsel, Abstand zwischen Reiz und Reaktion zu schaffen.
Er öffnet Raum für Mitgefühl – für andere, aber auch für uns selbst. Denn nicht alles, was sich wie ein
Rückschritt anfühlt, ist einer. Manches ist ein Umweg mit Sinn.
Wie im Leben hat auch die Natur zwei Seiten: Ohne Sonne keinen Mond, ohne Nacht keinen Tag. Ohne
Ebbe keine Flut. Gegensätze gehören zusammen – sie bedingen einander. Erst im Zusammenspiel entsteht Balance.
Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann. Dreh die Medaille um. Wechsle die
Perspektive. Denn Perspektivwechsel verändert alles.


