Zeit & Raum für
Körper & Seele ...

Zwischen Halten und Loslassen – was Hände sagen, wenn Worte fehlen

November 17, 2025

Wer kennt es nicht – das Winken am Bahnhof. Deswegen winke ich, wenn ich jemanden auf der anderen Straßenseite sehe.
Ich winke zum Gruß, zum Abschied, aus Freude, manchmal auch aus Verlegenheit. Und ich winke ab – wenn mir etwas nicht gefällt,
wenn ich mich schütze, wenn ich „nein“ sagen will.

Hände schaffen Verbindung


Sie können halten, streicheln, tragen. Aber sie können auch abwehren, Grenzen setzen, schützen.
Ich kann mit meinen Händen in Kontakt gehen – oder mich aus einem lösen. Ich kann Hilfe anbieten oder sie annehmen.
Hände können Brücken bauen: Das kleine Kind, das die Hand seiner Eltern hält.
Die haltende Hand am Totenbett. Die Hand, die eine andere zärtlich sucht – oder loslässt.

Ich habe heute einen wunderschönen Text von Christian Modehn gelesen. Er schreibt über das Winken – dieses leise, fast unscheinbare Ritual des Abschieds.

„Das Winken, diese sanfte Handbewegung, überwindet noch mal den Abstand. Wenn zwei Hände sich noch suchen und berühren wollen,
entsteht eine Bewegtheit, etwas Lebendiges. Aber sofort müssen wir akzeptieren, dass wir uns schließlich aus den Augen verlieren.
Wir müssen unseren Weg weitergehen, allein oder mit anderen.“

Diese Worte haben mich berührt. Denn sie erinnern mich daran, dass unsere Hände viel mehr tun, als wir bemerken.
Sie sind ständig in Bewegung – in Kontakt mit der Welt, mit anderen, mit uns selbst.

Hast du dir schon einmal überlegt, was deine Hände heute alles berührt haben? Vielleicht den warmen Becher deines Morgentees,
das Gesicht eines geliebten Menschen, das Fell eines Tieres, die Tasten deines Handys, eine Tür, die du geöffnet – oder auch geschlossen – hast.


Jede Berührung erzählt etwas über dich und deinen Tag. Über Nähe und Distanz. Über Mut, Hingabe und das Loslassen.

Unsere Hände tragen Erinnerungen, manchmal zarter, als es uns bewusst ist. Sie wissen, wie sich Vertrauen anfühlt – und Abschied.
Wie Schmerz sich in Anspannung zeigt, wie Entlastung sich in Wärme verwandelt. Sie erinnern uns daran, dass Verbindung nicht immer in Worten liegt, sondern im Spüren.

Vielleicht ist es genau das, was das Winken so besonders macht:
Ein stiller Versuch, noch einmal Kontakt zu halten – über den Abstand hinweg.
Ein Zeichen, das sagt: Ich sehe dich. Ich lasse dich gehen. Und ich bleibe trotzdem verbunden.

Mini-Ritual: Die Hände spüren


Setze dich bequem hin.
Lege deine Hände locker in den Schoß.
Schließe die Augen.
Atme ein – und spüre, wie sich mit jedem Atemzug Wärme in deinen Handflächen sammelt.
Atme aus – und lass die Schultern weich werden.
Beobachte, was du wahrnimmst: Kribbeln, Wärme, Puls.
Dann lege eine Hand sanft auf die andere.
Spüre, wie sie einander halten – ohne zu greifen, ohne zu müssen.
Nur da sein.
Für diesen Moment.
Für dich.

Wenn du magst, öffne langsam die Augen –
und vielleicht magst du dir selbst ein kleines Winken schenken.
Ein Gruß an deine Hände, an dich, an das Leben, das weiterfließt.